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Street Photography - Faszinierend und gefährlich

Text und Fotos: Dennis Gloth

Raus auf die Straße und das unverfälschte Leben fotografieren. Das ist Street Photography - Zumindest in der Kurzfassung. Ein gutes Auge, der richtige Bildaufbau und eine Portion Glück gehören nämlich auch dazu. Diese Sparte der Fotografie interessiert mich schon eine ganze Weile, denn sie ist faszinierend und gefährlich zugleich. Warum das so ist, erläutere ich in diesem Beitrag.

Was ist Street Photography?

Eigentlich ist es selbsterklärend. Wie der Name schon sagt, geht es hier um das fotografieren auf der Straße und das Leben einzufangen, so wie es ist. Doch um die Fotos mit Leben zu füllen, ist ein ablichten von fremden Personen früher oder später unumgänglich.

 

Bevor man Passanten fotografiert, muss man sie aber vorher um Erlaubnis  bitten, was in vielen Fällen den authentischen Moment zerstören würde. Möchte man die Fotos außerdem (kommerziell) veröffentlichen, wird auch noch ein Model Release nötig. Aber auch, wenn man die Fotos nur im Internet „zeigen“ möchte, kommt man um eine Einverständnis der abgelichteten Person nicht umhin. In einigen Fällen funktionieren Motive aber auch ohne Menschen oder man muss ein bisschen kreativ werden und z.B. mit Schatten oder Silhouetten arbeiten. Das erfordert aber ein gutes Auge, das man erst einmal entwickeln muss. 

Gegen die eigenen Blockaden kämpfen

Und so kommen wir direkt zum nächsten Punkt. Die Blockade, auf den Auslöser zu drücken. Denn das ist gar nicht so leicht, wenn man im Hinterkopf hat, vielleicht etwas verbotenes zu tun, indem man Personen ohne ihr wissen fotografiert. Aus diesem Grund ist es auch wichtig, immer für sich selbst abzuwägen, wen oder was man fotografiert und ob es einem das Risiko wert ist, eventuell mit jemanden aneinander zugeraten.

Die Vorbilder

Doch wie kommt man auf die Idee, Street Photography zu betreiben, wenn man mit einem Bein im Knast steht oder vielleicht ne Abreibung kassiert? Irgendwie hat die Straßenfotografie trotz der oben genannten Risiken etwas anziehendes. Ich finde es faszinierend, alte Aufnahmen von den Straßen New Yorks oder Chicago anzusehen. Streetfotos vermitteln mir einen ungeschönten Eindruck vom Leben der 50er, 60er oder welcher Zeit auch immer. Besonders die Fotos von Vivian Maier, Henri Cartier-Bresson und auch Thomas Leuthard haben es mir angetan und mich letztendlich dazu getrieben, selber mit der Kamera „auf die Jagd“ zu gehen. Bei Vivian Maier fasziniert mich außerdem ihre Geschichte. Sie hat weit über 100.000 Fotos gemacht und sie all die Jahre bis zu ihrem Tod quasi unter Verschluss gehalten. So wurde sie erst nach ihrem Ableben berühmt und hat die Geschichte der Street Photography mit ihrem Lebenswerk neugeschrieben.

Die Technik

Die beste Kamera ist die, die du in deinen Händen hälst. Ich nutze meine Sony Alpha 6300, andere nutzen Leica, Fuji, Nikon oder Canon. Theoretisch kannst du auch einfach dein Smartphone für die Street Photography nutzen. Genauso variabel wie der Kamerabody, sind auch die Objektive. Ob Weitwinkel, Tele oder Festbrennweite muss jeder für sich selbst entscheiden. Mit einem 30mm musst du natürlich näher ran an das Motiv als mit einem Teleobjektiv. Die Nähe zur Szene macht die Sache natürlich irgendwie spannender und authentischer, als wenn man sich aus 20 Metern Entfernung auf die Lauer legt. Kleinere Kameras sind natürlich von Vorteil, weil man mit ihnen unauffälliger ist. 

Schlechte Erfahrungen bleiben nicht aus

Das musste ich gleich bei meinen ersten Versuchen feststellen. Durch ein Fenster eines Cafés wollte ich eine ältere Dame fotografieren, die bei einer Tasse Kaffee die Zeitung las. Leider hat das der Ladenbesitzer bemerkt und kam mies gelaunt aus dem Laden gestürmt. Ich habe in seinem Beisein die Aufnahme gelöscht. Aber da war bei mir natürlich erstmal die Luft raus. Ich hätte mir vielleicht eine Ecke aussuchen sollen, wo mehr los war, dann wäre es vermutlich nicht aufgefallen. Das nennt man dann wohl "Lehrgeld bezahlen". 😉

Buchtipps

Bücher zum Thema Street Photography vom Rheinwerk Verlag und vom Franzis Verlag

Wer sich etwas mehr mit dem Thema beschäftigen möchte, kann das mit folgenden Büchern tun. Andreas Pacek gibt in seinem Buch "Streetfotografie - Der Atem der Straße" (erschienen beim Franzis Verlag) einen ausführlichen Einblick in das Genre mit Tipps zu Technik, Bildgestaltung und Recht. Abgerundet wird das ganze mit Interviews von anderen Streetfotografen wie Spyros Papaspyropoulos, Martin U Waltz, Siegfried Hansen und mehr. Wer mehr nach Inspiration sucht, sollte sich "Streetfotografie made in Germany" vom Rheinwerk Verlag gönnen. Hier erklären zahlreiche deutsche Streetfotografen ihre Fotografien, angefangen von der Idee über den Aufbau bis zum fertigen Bild.

 

Streetfotografie - Der Atem der Straße (Franzis Verlag)

Streetfotografie made in Germany (Rheinwerk Verlag)

[Dieser Artikel beinhaltet unbezahlte Werbung durch die Nennung von Produkten, Links und Marken]

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